Alai-Pamir-Expedition 1928

Fast nur Insidern ist bekannt, dass es bereits deutsche Aktivitäten im Pamir in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab. Hier muss zunächst auf die Forschungsreise von W. RICKMER RICKMERS im Jahr 1913, also noch in vorsowjetischer Zeit, in diese Region verwiesen werden (RICKMER RICKMERS 1914, KLEBELSBERG 1914). Ganz offensichtlich war der Forschungsreisende RICKMER RICKMERS bemüht, in diese Region zurückzukehren, was bedingt durch den Ersten Weltkrieg und die Nachkriegszeit jedoch erst im Jahr 1928 gelang. Von deutscher Seite wurde diese Expedition durch die Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft und dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein getragen. Von sowjetischer Seite war die Akademie der Wissenschaften der Träger dieser Expedition. Als sowjetischer Expeditionsleiter fungierte Nikolai Petrowitsch GORBUNOW vom Rat der Volkskommissare. Im Kontext der Erforschung des Pamir kommt dieser deutsch-sowjetischen Alai-Pamir-Expedition des Jahres 1928 tatsächlich eine Schlüsselrolle zu. Man kann ohne Übertreibung behaupten, dass mit dieser Expedition die wissenschaftliche Erforschung des Pamirs beginnt. Natürlich hatten Reisende und Expeditionen früherer Jahre bereits Informationen über dieses Gebirge gesammelt, aber diese waren bis dahin vor allem punktuell und episodisch geblieben. 

Die Alai-Pamir-Expedition1928 erkundete erstmals größere Teile des Gebirges mit einer gewissen Systematik, befasste sich mit topographischen, geologischen, biologisch und volkskundlichen (linguistischen) Fragestellungen und publizierte die Ergebnisse (FICKER & RICKMER RICKMERS 1932).

links: Die deutschen und österreichischen Teilnehmer der Alai-Pamir-Expedition 1928 (Quelle: FINSTERWALDER 1929, S. 159) 

Beachtlich sind auch die bergsteigerischen Leistungen der Expedition des Jahres 1928. Vorrangig stellten sich die Bergsteiger in den Dienst der Wissenschaft und ermöglichten den Zugang zu bisher nicht erkundeten Gebieten. Gegen Ende der Expedition im September 1928 gelang den deutschen und österreichischen Bersteigern A. Allwein, Ph. Borchers, E. Schneider und K. Wien die Erstbesteigung des bereits genannten Pik Kaufmann, der wie bereits erwähnt, zu diesem Zeitpunkt als der höchste Berg des Pamir galt.

Im Ergebnis dieser Expedition konnte auf der Basis photogrammetrischer Aufnahmen erstmals eine detaillierte topographischen Karte des Nordteils des Pamis erstellt werden. Der Fedtschenko-Gletscher konnte dabei als der längste außerpolare Talgletscher der Welt eingestuft werden und in der Auswertung der photogrammetrischen Aufnahmen wurde erkannt, dass nicht wie bisher angenommen der Pik Kaufmann (später Pik Lenin, heute Pik Avicenna) den höchste Gipfel des Pamir darstellt, sondern dass westlich des Expeditionsgebietes ein weiterer noch deutlich höherer Gipfel existiert, der den höchsten Gipfel des Pamirs darstellt. Dieser ursprünglich als Pik Garmo bezeichneter Berg wurde als höchster Gipfel der Sowjetunion später in Pik Stalin und dann in Pik Kommunismus umbenannt und trägt heute die Bezeichnung Pik Ismail Samani (Emir des Samanidenreichs, der in Tadschikistan als „Vater des Vaterlandes“ verehrt wird) trägt. All diese, ganz offensichtlichen politischen motivierten Umbenennungen haben jedoch nichts mit der Expedition von 1928 zu tun, die großartige wissenschaftliche Leistungen vollbrachte.

 

Es existiert übrigens auch ein Film über die Expedition im Jahr 1928, der hier verlinkt ist: 

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